Musik an! A-D

Es gibt Bands, Alben und einzelne Stücke, die einem den Atem verschlagen, die dich fesseln und nie wieder loslassen. Wenn ich meine Regale so durchsehe, fallen mir immer sofort Alben ins Auge, zu denen ich irgendwann eine besondere Beziehung geschlossen habe, die ich mit irren Ereignissen verbinde oder die mir schlichtweg einfach nur sehr gut gefallen.

Ich wollte schon lange eine Auflistung von CDs machen, ein bisschen über meine Musik plaudern. Aufgelistet habe ich von A-Z nach dem Titel des Albums. Sicher, nicht bei jedem Buchstaben war ich zu 100% zufrieden, aber so läufts halt nunmal.

Beginnen möchte ich von A bis D:

An Awesome Wave (Alt-J) Wer jemals über „An Awesome Wave“ gestolpert ist, wird niemals aufhören diese wahrlich perfekte Scheibe zu hören. Minimalistischer Einsatz von Instrumenten, tolle Gesangsarrangements, einfach unermüdlich hörbar. Mehr kann man dazu nicht sagen 🙂

(Auch in der engeren Auswahl: Advaitic Songs von OM)

Blue Record (Baroness)

Baroness gehört zu meinen eher jüngeren Youtube-Entdeckungen. Ich finde den Sound dieser Band schlichtweg grandios: Das Zusammenspiel aus verspielten Gitarren, fetzenden Bass und treibenden Drums macht Baroness für mich zu den kompositorischen Meistern der letzten Zeit!

(Auch in engerer Auswahl: Blackwater Park von Opeth)

Ceremonials (Florence & The Machine)

Ja, da muss ich mich ein bisschen outen. Wenn es Popmusik gibt, die mich ehrlich begeistert und mitreißt, dann ist es Florence Welch mit ihrer ungewöhnlichen Stimme und ihrer offenen Bühnenpräsenz. Für mich die Art populärer Musik, die leicht daherkommt und trotzdem mainstreamungeeignet ist.

Dead Man’s Bones (Dead Man’s Bones)

Ein Duo, das mir wie aus dem nichts erschien und mich aus den Latschen haute. Zach Shields und Ryan Gosling (genau, der!) lassen mit gekonnter Instrumentalisierung meine geliebten Horrorklassiker neu aufleben. Dass sie es schaffen, einen Kinderchor perfekt in ihr Konzept einzubeziehen, beeindruckt mich immer wieder. Gerade die Kombination aus den beiden Multiinstrumentalisten, ihren doch schönen Stimmen und einem dezenten Chor lässt mir die Haare zu Berge stehen – und das rundum positiv gemeint. Für stille Stunden in meiner Hängematte leg ich die Scheibe nur zu gerne ein.

 

(Auch in der engeren Auswahl: Deliverance von Opeth)

Kultur der Achtsamkeit

Zuallererst: Euch allen ein schönes Osterfest! Ich hoffe dass alle genauso ergriffen von der Osterfreude sind wie ich 🙂

Nun möchte ich aber kurz ein paar Gedanken vorbringen, die mich die letzten Tage begleitet haben und gehörig auf den Nägeln brennen:

Am Karfreitag haben nicht wenige Leute auf Facebook Bilder und Statusmeldungen gepostet, die stolz verkündeten, dass sie heute ordentlich Grillen. Am besten um 15 Uhr (zur Sterbestunde Jesu).
In der immerfort andauernden Diskussion um den stillen Feiertag Karfreitag fällt es mir grundsätzlich schwer, richtig Stellung zu beziehen. In einer Zeit, in der unsere Religionsfreiheit ein wichtiges Gut ist, kann ich schon sehr gut nachvollziehen, dass jemand, der sich weder mit Glaube noch mit der Kirche identifiziert, sich gewissen Regeln eines stillen Feiertags nicht fügen möchte. Wenn mir ein Feiertag nichts bedeutet, sollte man doch um sein Recht kämpfen, Tanzen und Feiern zu gehen, oder? Da es aber Gesetz ist, gibt es nur wenige Möglichkeiten, seinem Unmut Ausdruck zu verleihen – so aber z.B. indem man extra am Karfreitag grillt.

ABER: An dieser Stelle muss ich doch nachfragen: Wandelt sich eine solche Aktion, wie das Grillen am Karfreitag um 15 Uhr, nicht von einem „mir bedeutet dieser Feiertag nichts und ich mache was ich will“ zu einem „mir bedeutet dieser Feiertag nichts und um Euch das zu zeigen, trete ich nochmal extra drauf“?
Ich frage mich, ob es in einem solchen Fall wirklich notwendig ist, seinem eigenen Recht unbedingt Platz einzuräumen – selbst auf die Gefahr hin anderer Menschen Gefühle zu verletzen. Ich meine immer mehr ein Fehlen von einer Kultur der Achtsamkeit festzustellen. Gerade Religion ist privatisiert, was andere machen ist deren Ding, wichtig ist was ich denke, fühle und glaube. Aber ist es wirklich so schlimm, Rücksicht zu zeigen? Kann ich nicht zumindest darüber nachdenken, ob es für eine bestimmte Handlung nicht Alternativen gäbe? Wenn meinen Mitmenschen eine bestimmte Sache wichtig ist, kann ich dann nicht achtsam damit umgehen, um auch sie als Menschen zu achten?

Um nochmal auf den Karfreitag zurückzukommen:
Wer unbedingt Grillen möchte, soll das ja ruhig tun. Aber muss man das den Christen unter die Nase reiben?

Goat Simulator – Trailer

Zwischendrin was sehr Unterhaltsames:

Am 01. April erscheint das heiß ersehnte „Goat Simulator„, das mit folgenden Worten angekündigt wird:

„Goat Simulator is the latest in goat simulation technology, bringing next-gen goat simulation to YOU. You no longer have to fantasize about being a goat, your dreams have finally come true!“

Nun wurde ein Trailer veröffentlicht, der ziemlich gut zusammenfasst, worum es in diesem Spiel geht.

Dabei haben sich die Herrschaften von Coffee Stain Studios beim Trailer an dem (meines Erachtens) besten Spieletrailer, der je veröffentlicht wurde, orientiert – dem Trailer zu Dead Island (Vorsicht: ab 18!):

 

Die bessere Alternative

Seit Beginn der Fastenzeit und meines #fastenzeit-Artikels sind ein paar Tage vergangen, und es ist nun Zeit für einen kleinen Zwischenbericht.

Wo ich anfangs unschlüssig war, der ganzen Aktion einen Namen zu geben, erstrahlt die Überschrift dieses Beitrags nun zu meiner vollen Zufriedenheit hervor: Die bessere Alternative (wählen). Im Grunde ging es mir ja darum, mein Denken, Handeln und v.a. auch meinen Konsum kritisch zu überdenken. Letztlich läuft es deshalb darauf hinaus, mein Tun genau zu überprüfen und die bessere Alternative auszuwählen.

Ich meine mich ganz gut zu schlagen. Grade was den Konsum angeht muss ich mich da gewaltigen Herausforderungen stellen. Ich habe das Gefühl, das erste Mal wirklich bewusst einzukaufen. Wenn ich also vor dem Regal stehe und überlege, wie sehr ich ein Produkt brauche, alle Alternativen abwäge, wird das Bewusstsein für die Dinge, mit denen wir unseren Alltag beladen, ziemlich geschärft. Mal schnell sagen: „Plastik is pfui“ mag zwar gut sein, ist in der Praxis aber schwierig umzusetzen.

Ein Beispiel: Ich liebe Erdnüsse. Nicht die gesalzenen in der Dose, sondern die in der Schale gerösteten. Ich mag es, sie zu knacken und mein Wohnzimmer mit umherfliegenden Schalenresten zu versauen. Jetzt gibts die aber nur in einer großen Plastiktüte. Ich habe noch keine Alternative gesehen (wer weiß was?). Echt schade.
Manchmal gehts wirklich nicht ohne. Ich mag nämlich auch Salat. Das leckere Dressing aus dem Tütchen zum selbermixen war ja immer super praktisch. Wer mit wachen Augen durch den Supermarkt läuft, sieht dass es auch ein großes Vorratspack gibt. Diese Verpackung ist auch nicht wirklich besser, aber im Gegensatz zu den Tütal eine bessere Alternative. So läuft das.
Nächstes Problem: Duschgel und Shampoo. Klar, man kann locker auf die gute alte Seife umsteigen, geht genauso. Aber ich mit meiner superempfindlichen Kopfhaut muss mir da was besseres Überlegen. Was tut Flouzy da? Er beginnt selbst aus Kräutern und Zeugs Shampoo zu mischen. Über die Ergebnisse kann ich in ein paar Tagen schreiben. Einen Nebeneffekt hat das Experiment auf jeden Fall schonmal: Ich beschäftige mich mit wichtigen Dingen, statt mich mit Belanglosigkeiten zuzukleistern. Und das ist ganz im Sinne meiner besseren Alternativen 🙂

Anbei noch ein zwei Links für frische Ideen und nette Experimente:

Experiment Selbstversorgung
Kritischer Konsum (Aktion des BDKJ)

Und noch etwas in eigener Sache:

Am 07.03.14 wurde MrFlouzysBlog vier Jahre alt! Vor vier Jahren hab begonnen zu bloggen!
VIER JAHRE!!

#fastenzeit

Ja da ist sie wieder, die Fastenzeit. In den letzten Jahren habe ich immer wieder Posts zu dieser besonderen Zeit des Jahres verfasst, da ich überzeugt bin, dass das Konzept des Verzichts, innerer Reinigung und Vorbereitung auf Ostern für jede und jeden anders zugänglich ist.

In den letzten Jahren habe ich in den Wochen vor Ostern kein Fleisch gegessen. Nicht nur als Verzicht dieser alltäglichen Speise, sondern auch um meine Sicht auf Tierhaltung und Fleischproduktion zu schärfen. Diese Wochen des Verzichts und der erhöhten Aufmerksamkeit haben meinen Fleischkonsum insgesamt extrem verändert – und das ist ein deutliches Zeichen für die Wirksamkeit der Fastenzeit.

Nun gehts wieder einen Schritt weiter. Ich muss zugeben, die letzten Wochen habe ich fieberhaft überlegt, wie meine Fastenzeit dieses Jahr aussehen soll. Mein erster Gedanke war, in diesen Wochen beim Konsum komplett auf Waren zu verzichten, die in Plastik eingepackt sind oder solches schon in sich tragen. Während meiner Recherchen viel mir nicht nur auf, dass ich teils schon völlig natürlich auf Produkte zugreife, die eine Alternative darstellen, sondern dass gewisse Dinge ohne Plastik nicht zu kriegen sind. Irgendwie geht es zwar trotzdem, aber diesen Umstieg werde ich wohl nicht so schnell gebacken kriegen (doch der Prozess läuft schon!).

Irgendwie taugt mir der Plastikverzicht also nicht. So schloss sich der Gedanke an, dass es nicht das weglassen sein muss, das munter und froh macht. Warum nicht ein Detail in mein alltägliches Leben hinzuaddieren? Frei nach den Pfadfindern, die „jeden Tag eine gute Tat“ vollbringen wollen, ist die Fastenzeit die ideale Zeitspanne, um Egoismus zu fasten und anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Natürlich wäre ein praktischer Plan ganz gut, aber dazu bin ich zu planlos. Ich werde die Tage auf mich zukommen lassen, und nebst meinen üblichen Fastenzeitbräuchen einfach versuchen, das beste draus zu machen – yay 🙂

Achja, und nun kommen wir noch zur Überschrift: meine-fastenzeit.de ist eine Initiative einiger deutscher Bistümer, die Instagram-Nutzer und andere Fotobegeisterte aufruft, ihr Bild unter dem Hashtag #fastenzeit zu posten. Bin hart am Überlegen, was ich da wohl posten könnte..

Debatte um Religion: Wissenschaft vs. Kreationismus

Mit diesem Thema habe ich mich schon früher auseinandergesetzt/auseinander setzen müssen.

Was wir Europäer oft als bizarr unlogische Fragestellungen wahrnehmen, gilt beispielsweise in den USA als stets diskussionswürdig. So seltsam uns also die wörtliche Auslegung der Schöpfungserzählung im Buch Genesis auch vorkommt, für nicht wenige Menschen ist sie Realität, wie die kürzliche Debatte zwischen Bill Nye und Ken Ham gezeigt hat, die gerade auch im Internet sehr hohe Wellen geschlagen hat.

So erfreulich es ist, dass sich Menschen auch heute noch Gedanken darüber machen: Was mich an vielen Meinungsäußerungen zu dieser Debatte etwas unglücklich stimmt, ist die Herangehensweise, wie viele Kommentatoren so viel in einen gemeinsamen Topf schmeißen, ohne zu differenzieren.

Ich persönlich brauche dazu wohl kein ausführliches Statement abgeben. Aber mich beschäftigt etwas anderes: Grundsätzlich nehme ich in meinem Umfeld wahr, dass gerade Themen wie Glaube, Religion und Kirche absolut privatisiert und öffentlich zu Tabu-Themen geworden sind. Ein gutes Beispiel bietet der geschätzte Gregor Kartsios, der ganz objektiv und vorsichtig über Religion spricht, sie ebenfalls lieber im privaten Bereich belässt und vom Großteil seiner Zuhörerschaft beigepflichtet wird. Das bringt mich zu folgenden Fragen:

  1. Warum ist Glaube ein so hypersensibles Thema geworden?
  2. Was macht uns Angst, über Religion zu sprechen (sowohl innere Barriere als auch die Angst, vor anderen aufdringlich zu erscheinen)?
  3. Ist es wirklich schlimm, anderen Menschen von einer Sache zu erzählen, von der man selbst überzeugt ist?

Grade die letzte Frage stößt uns doch etwas kontrovers auf, denn da haben wir ja schon eine versuchte Zwangsmissionierung, oder? 😉

Dazu eine Frage: Wann hast Du das letzte mal einem Freund von einer superawesome Serie/Film/Band erzählt, weil Du möchtest, dass er/sie das auch sieht/hört? Ist das nicht auch eine Art von Aufdringlichkeit?

Ich freue mich sehr über alle Leserinnen und Leser, die im Kommentarbereich ihre Gedanken dazu dalassen! 

Om – Advaitic Songs

(c) OM http://www.facebook.com/om.band
(c) OM
http://www.facebook.com/om.band

Vermutlich kennt das jeder: Man stolpert zufällig über eine Band, und während man der Musik lauscht, läuft man in seiner Wohnung auf und ab wie ein Tiger im Käfig, rauft sich die Haare und schlägt mit der Faust an die Wand. Und all das nur, weil man einfach nicht fassen kann, wie unglaublich gut diese Musik ist. Mir erging es zuletzt so mit der Band „Om“. Die aus lediglich zwei festen Mitgliedern bestehende Band aus Kalifornien versucht sich in einem wenig erforschte Genre: Irgendwo zwischen Stonerrock, Psychedelic und Doommetal träumen sich Bassist und Schlagzeuger durch mythische, abstrakte und kosmische Welten, die den Zuhörer zur freien Interpretation einladen. Die in vorherigen Werken wohl sehr minimalistisch und eingängige Musik wurde in „Advaitic Songs“ durch den Einsatz von Instrumenten wie Cello, Violine und Flöte ergänzt, was die orientalisch angehauchte Atmosphäre hauptsächlich trägt. Die wirren Texte von Sänger und Bassist Al Cisneros tun ihr übriges, um den Hörer in eine traumhafte Sequenz zu versetzen.

Warum hat mich „Advaitic Songs“ jetzt so umgehauen? Die Scheibe eröffnet mit einem orientalischen Folklore-Stück, von weiblichen Gesang getragen, das wie ein Gebet dahinfliesst, düster und bewegend zugleich. Mit dem zweiten Song geben die Musiker jedoch ihren Ton an, und das langsam treibende Schlagzeug, die verzerrten Bässe und die fast meditativen Texte vereinen sich mit Streichern, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die sich in Worten nicht beschreiben lässt. So taucht der Zuhörer im Laufe der teils recht langen sechs Liedern ein in eine Welt, die er so schnell nicht wieder verlassen will.

Mehr Worte brauche ich dazu wohl nicht zu verlieren. Wer sich gerne den Klängen von Bands wie „Godspeed You! Black Emperor“ oder „Tool“ hingibt, dürfte mit „Om“ auf der richtigen Spur sein.

Schandmaul – So weit, so gut

Nach 15 Jahren Bandgeschichte sagen sich die Schandmäuler „so weit, so gut“ und bringen ein Best-Of mit Neuauflagen ihrer größten Hits und Klassiker raus. Natürlich kommt dabei sofort die Frage auf, ob es so ein Album überhaupt braucht. Eine Band, die sich zu so einem Schritt entschließt, muss sich wohl zwei Gefahren stellen:

1. „Das sind ja lauter alte Lieder. Mann bringt doch ein neues Album raus. Alles nur Abzocke. Rhababerhabaer.“ 

2. „Was habt ihr aus meinem Lieblingssong gemacht? Der war doch gut so wie er war. Ich mag euch nimmer. “

Mutig stellen sich die Folkrocker den kritischen Ohren ihrer Fans, und müssen sich dabei aber kaum fürchten. Mir sagt die Scheibe nämlich voll zu.
Die großen Klassiker, die jedes Fanherz sofort schneller schlagen lassen, sind als Studioaufnahmen teils merklich gealtert. Das macht natürlich ihren Charme aus, doch ist es ebenso erfrischend, sie in einem neuen, flotteren Gewand zu vernehmen. Gerade Songs wie „Teufelsweib“, „Die goldene Kette“, „Herren der Winde“ und „Vogelfrei“ finde ich in dieser Hinsicht ziemlich gut gelungen. Auch diverse Livevariationen, die sich schon seit Jahren eingebürgert haben, sind hier vertreten, so die „Sigfrid Trilogie“ und „Geisterschiff“. Das auf der Kunststück-DVD uraufgeführte „Der Clown“ gibts jetzt auch als Studioaufnahme zu hören.
Darüber hinaus sind auch drei komplett neue Songs vertreten: Die Instrumentalstücke „Folk n´Roll“, das überraschend bluesig um die Ecke kommt und „Orientexpress“, das seinem Namen alle Ehre macht. Und schließlich „Herz aus Gold“, das die tragisch-herzerweichende Geschichte eines ungeliebten Mädchens erzählt.

Fazit: Nachdem ich mit den beiden Vorgängeralben „Anderswelt“ und „Traumtänzer“ nur ganz schwer warm geworden bin, hat mir diese nostalgische Kost äußerst gut getan. Alte Songs in neuem Gewand sind nicht immer schlecht, sondern zeugen vom Fortschritt der Band, der die Vergangenheit ehrt, aber auch nicht darin steckenbleibt.
Bleibt abzuwarten, was das Anfang 2014 erscheinende „Unendlich“ für uns bereit hält – ich bin guter Dinge.

Árstíðir – Svefns Og Voku Skil

(c)http://arstidir.minus.com/mediakit
http://arstidir.minus.com/mediakit

Als ich kürzlich über ein Video stolperte, das eine Gruppe junger Männer zeigt, welche in irgend einem Bahnhof im Wuppertal einen wunderschönen isländischen Gesang schmettern, erregte die Gruppe Arstidir meine volle Aufmerksamkeit. Schon kurze Zeit später war ihr Werk „Svefns Og Voku Skil“ als LP geordert, deren Klänge seitdem unentwegt meine Wohnung erfüllen.

Diese isländische Folkgruppe gibt, bewaffnet mit Gitarre, Klavier, Streichinstrumenten und vor allem hervorragenden Stimmen nicht nur gute Konzerte, sondern bannt ihre Musik auch in höchster Qualität auf die Platte. Da mein islenska ein bisschen eingerostet ist, werde ich lediglich auf die englischen Texte eingehen.

1. Ljóð i sand beginnt mit den schönsten Streichern, die ich seit langem gehört habe. Ich höre wenig klassische Musik, aber diese Töne gehen unter die Haut. Auch wenn Gitarre und Gesang einsteigen, nimmt die Entzückung nicht ab.

2. Der zweite Song der Platte, Brestir ist nach meinen Begriffen (und die sind sehr eigenwillig) ein purer Folksong. Angenehmes Picking, dezente Streicher und hoher Gesang. Teilweise ergibt sich ein seichter Anklang an diverse Popsongs, was aber absolut nicht stört.

3. Lost in You hält sich in Sachen Melancholie stark an seinen Titel. Die Klage des unsterblich verliebten geht einher mit süß-traurigen Instrumentalklängen.

4. Days & Nights klingt durch beständigen Rythmus und seinem Gesang beinahe an klassische Countrysongs angelehnt. Der Text vom stetigen Wandern unterstützt das Gefühl des leider recht kurzen Stückes.

5. Orð að eigin vali knüpft an die eher traurige Stimmung an. Zu den wohltuenden Gitarrenklängen schmiegt sich das Klavier vollendet perfekt an.

6. Der nächste Song Meðan jörðin sefur nimmt plötzlich an Fahrt an, muss aber durch eine ungewohnte Gesangsmelodie und unruhige Streicher erst noch überzeugen. Die unheimliche Stimmung gewinnt durch tiefe Streicher zu. Gänsehaut!

7. Við dagsins hnig ist ein Klang gewordener Traum. Leises Klavier und Gitarre unterstützen den ruhigen Gesang ganz leicht, bis die Streicher das Ruder in die Hand nehmen und eine helle Melodie herbeizaubern, die mit den Sängern um die Wette spielt.

8. Hvar lässt sich Zeit. Die Streicher führen uns ein in eine düstere Welt, in den der spürbar emotionale Gesang gebettet wird.

9. Das Klavier eröffnet Nú gleymist ég, bis Gesang, Streicher und Gitarre sich perfekt hinzugesellen und in einem rundum perfekten Refrain gipfeln.

10. Til Hennar knüpft an die grundlegende Melancholie des Albums an, bis es sich zum Ende des Liedes wie von Zauberhand in Wohlgefallen auflöst. Eine der schönsten Melodien der Scheibe.

11. Shades ist wiederum ein englischsprachiger Song, der äußerst hektisch beginnt. Rasante Streicher werden von Trommeln vorangetrieben. Mehrstimmiger Gesang reiht sich in die bedrohliche Stimmung ein, die gekonnt ruhig unterbrochen wird, und den Song zu einem grandiosen und brachialem Ende führt.

12. Der letzte Song Tárin beschließt das Werk mit monotonem Klavier und vorsichtigem Gesang. Der Gipfel wird wiederum in einer beeindruckenden Streicherkomposition erreicht, die überraschend ruhig endet und dem Album einen würdigen Abschluss verleiht.

Wer das Album „Svefns Og Voku Skil“ das erste Mal hört, mag sicherlich einige besondere Momente heraushören, allerdings auch eine gewisse Monotonie feststellen. Leider ist nicht jeder einzelne Song der Platte eine Perle, was aber hinsichtlich des Gesamtwerks an Bedeutung verliert. Wir haben hier eine Gruppe äußerst talentierter Männer, die ihr Handwerk bestens verstehen. Und wer legt sich nicht gern an einem Sonntagnachmittag auf die Couch und gönnt sich eine ruhige, traumhafte Stunde? Mit dieser Platte ist diese Stunde für Freunde der stimmungsvollen Töne gewiss. Wer sich noch überzeugen muss, kann dies auf dem offiziellen Youtubekanal tun – viel Vergnügen!

PJ Harvey – Let England Shake

By Dave Mitchell (Plastic Jesus)
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D
via Wikimedia Commons

Die britische Musikerin Polly Jean Harvey ist innerhalb der Indie-Szene zwar eine bestimmte Größe, darf sich aber auch in der breiten Öffentlichkeit einiger verdienter Erfolge erfreuen. Ich persönlich wurde auf PJ Harvey durch die großartigen Desert Sessions Vol. 9 &10 aufmerksam, welche in die Geschichte kernigerem Desert- und Stoner-Rocks eingegangen sind. Nun widme ich mich ihrem aktuellsten der ohnehin zahlreichen Werke, denn immerhin geistert PJ Harvey schon seit Beginn der 90er durch die Musikszene. „Let England Shake“ nennt sich das 2011 in dem akustischen Paradies einer Kirche an der Küste Englands aufgenommene Album:

  1. Der Titelsong Let England Shake eröffnet die Scheibe und steigt mit verträumt-spielerischen Klängen ein, während PJs helle Stimme süßlich dazusingt, und sich dabei in beinahe schief wirkende Gefilde lehnt. Wenn sich dann zum leichten Klavier und dem sanften Drums tiefe Bläser hinzufügen, wird die Schwere des Songs, welche im Text so unwirklich harmlos dahingesungen wird, annähernd deutlich.
  2. The Last Living Rose wirkt beim ersten Hören wie ein durchschnittlicher Radiosong, doch der Text lehrt anderes: Eine irrwitzige Hassliebe, die PJ ihrem Heimatland gegenüberwirft, reihen sich in die träumerischen Klänge der dominierenden Gitarren ein.
  3. The Glorious Land geht hart mit Kriegstreibern ins Gericht: „And what is the glorious fruit of our land? It´s fruit is orphaned children“ trägt PJ Harvey mit männlicher Unterstützung vor, während Armee-Trompeten zum Kampf aufrufen. Musikalisch zieht dieser Song ziemlich an Tempo an und unterstützt die Klage. Perfekt.
  4. Weiter gehts mit The Words That Maketh Murder, welches sich inhaltlich weiter mit Krieg beschäftigt, das Tempo jedoch drosselt. „I have seen and done things I want to forget“ – die melancholische Stimmung kommt vor allem im Refrain auf.
  5. All And Everyone beginnt mit düsteren Gitarrenklängen und genauso düsteren Worten. PJ philosophiert über den Tod und verpackt es in einem traurig-schönen Lied – das kann sie gut.
  6. On Battleship Hill stimmt wieder sanft an, verwandelt sich bald in ein südländisch anmutendes Gitarrenstück, begleitet von PJs hohen und seltsamen Gesang, der wieder Rythmus aufnimmt und die „Cruel nature“ besingt.
  7. Wenn einer meint, diese Scheibe klinge komisch, meint er damit wohl den Titel England. Zumindest zu Beginn, denn PJ lässt ihre Stimme derart angestrengt klingen, dass es beinahe schmerzt zuzuhören. Die treibende Akustikgitarre verhilft ihr zu Stärke, und so drückt sie Freud und Leid, die sie mit ihren Heimatland verbindet, nahezu perfekt aus.
  8. In The Dark Places ist mein eindeutiger Lieblingssong des Albums. Nicht nur die traurigen Worte, welche die unzähligen Tode in sinnlosen Kriegen beweinen, sondern auch der unglaubliche Gesang PJs, der so kraftvoll und emotional klingt, und stimmig von Schlagzeug, Gitarre und Bläsern unterstützt wird. Ein fantastisches Lied.
  9. Bitter Branches steigt mit sattem Tempo ein. Schlagzeug und E-Gitarre schrammen um die Wette, während PJ und Konsorten kräftig in die Mikros singen.
  10. Der nachfolgende Song Hanging In The Wire verlangsamt deutlich. PJ und Mick Harvey singen sanft und wunderschön, während Drums und Klavier ein traumhaftes Duett bilden.
  11. Written On The Forehead steigt mit leichten Gitarren und sanften Gesang ein, während sich bald Samples aus Winston Holness´ „Blood & Fire“ hinzugesellen. „Let it burn!“
  12. Mit The Colour Of The Earth beschließt PJ ihr Album. Überraschend, zuerst einmal nur männlichen Gesang zu hören, der sich bald zu einem ganzen Chor formiert. Wieder mal ein Song der Sorte „Unbeschwerter Klang – düsterer Text“.

So, was sollen sie also, diese ganzen Lieder? Beim Durchblättern des Booklets hat man den Eindruck, eine ganze Ansammlung von politischen Protestliedern vor sich zu haben. PJ Harvey betont allerdings, sich nicht zu sehr darauf zu versteifen. Auch England sei hier als ihr Heimatland lediglich ein Stellvertreter unter Vielen, die mal ordentlich wachgerüttelt gehören. Rein musikalisch bewegt sich PJ zwischen minimalistischen Instrumentaleinsatz und grandioser Songkomposition, während nicht davor zurückgescheut wird, zahlreiche Samples aus bekannten Titeln einzubringen.

Wem die Kombination aus zutiefst düsteren, nachdenklichen Songtexten und leichtem Alternative/Folk zusagt, sei „Let England Shake“ wärmstens empfohlen. Interessierte sollten den offiziellen Youtube-Kanal besuchen. Lohnt sich!