The Spectacular Now

In letzter Zeit stehen coming-of-age-Geschichten bei mir Hoch im Kurs. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen, aber ich genieße es in vollen Zügen. So konnte ich, diverse große Werke nachholend, nicht an Tim Tharps „The Spectacular Now“ vorbei, welches ich wahrlich verschlugen habe.

spectacular-now-book-coverThe Spectacular Now dreht sich um den 18-jährigen Sutter Keely, der – man kann es nicht anders sagen – sein Leben bis zum letzten Tropfen auskostet. Der Schule und seinem langweiligen Nebenjob widmet er die lediglich allernötigste Aufmerksamkeit, denn die wirklich wichtigen Dinge wollen ausgiebig gefeiert werden. Deshalb besteht Sutters Leben hauptsächlich aus Partys, in denen er sich völlig gehen lassen kann und für die meisten seiner Freunde der Typ ist, dem es nie zu peinlich wird, sich zum Affen zu machen („Embrace the weird“). Generell lässt Sutter keine Gelegenheit aus und hält sich konstant im Rausch des Genusses. Für ihn zählt eines: Den Moment leben. Das Morgen ist unwichtig, JETZT ist die Zeit. Das Spectacular Now. Dass dabei alles Verantwortungsbewusstsein auf der Strecke bleibt, stört auch seine Freundin Cassidy, die es irgendwann nicht mehr aushält und ihn sitzen lässt. Sutter macht daraufhin richtig einen drauf, und wird am nächsten Morgen in irgend einem Vorgarten von der schüchternen Aimee aufgelesen. Das ruhige Mauerblümchen ist fasziniert von dem Partylöwen, und auch Sutter erkennt, wie viel Tiefe hinter dem nerdigen Mädchen steckt. Eine Freundschaft entwickelt sich, und der Sutterman eilt als Retter heran, um Aimee aus ihrer langweiligen Welt zu erlösen, hinein in das wundervolle Paradies des Jung-seins.

„To hell with tomorrow. To hell with all problems and barriers. Nothing matters but the Spectacular Now.“

Beinahe könnte man meinen, es hier mit ausgewachsenen Stereotypen zu tun zu haben. Doch so oberflächlich die Charaktere anfangs wirken, umso viel Tiefe offenbaren sie mit der Zeit. Selbst Sutter, der allseits beliebte Quatschkopf, der stetig betrunken alle Partys crasht (wir alle kennen solche Typen), lässt den Leser an seiner nachdenklichen Seite teilhaben, die keineswegs so sehr glänzt, wie er gerne alle glauben lässt. Auch die zurückhaltende Aimee entwickelt sich mit Sutter zu einem völlig anderen Menschen. Wie sehr man als Leser von dieser Entwicklung angetan ist, überlasse ich jedem selbst. Ich persönlich begegnete Sutter immer wieder mit Verständnis für seine zahlreichen Probleme, beobachtete aber auch besorgt seinen schlechten Einfluss auf die unschuldige Aimee. Denn diese ist völlig überwältigt vom Strahlemann Sutter, für den die komplette Angelegenheit nicht mehr ist, als alles andere, was er in seinem Leben anpackt: ein Spiel.

Was macht dieses Buch für mich so gut? Es ist nicht nur die Story, die Erinnerungen an die eigene Jugend weckt. Es ist Sutter Keely, der so platt und gleichzeitig so voller wunderbarer Gedanken steckt. Ein wahrer Philosoph, dem man zwar nicht immer zustimmt, der aber dennoch beeindruckt.

“It’s superb to be out in the early, early morning before the sun comes up. There’s this sense of being super-alive. You’re in on a secret that all the dull, sleeping people don’t know about. Unlike them, you’re alert and aware of existing right here in this precise moment between what happened and what’s going to happen.”

Die Verfilmung1371723939_the_spectacular_now des Buches aus 2013 reiht sich im Übrigen nahtlos in die leider kurze Liste der sehr guten Buchverfilmungen ein. Zahlreiche Preise und eine Wertung von 93% auf rottentomatoes sprechen für sich. Mit verantwortlich zeigen sich dabei die ausgezeichneten Darsteller Miles Teller und Shailene Woodley. Sicherlich, viele Charaktereindrücke bleiben auf der Strecke, doch Regisseur James Ponsoldt hat das richtige Händchen, diese beeindruckende Geschichte atmosphärisch in angenehmer Lauflänge zu erzählen.

Leider sind weder das Buch noch der Film bisher in Deutschland erhältlich. Aber beide lassen sich importieren. Es lohnt sich, ehrlich.

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