Kultur der Achtsamkeit

Zuallererst: Euch allen ein schönes Osterfest! Ich hoffe dass alle genauso ergriffen von der Osterfreude sind wie ich 🙂

Nun möchte ich aber kurz ein paar Gedanken vorbringen, die mich die letzten Tage begleitet haben und gehörig auf den Nägeln brennen:

Am Karfreitag haben nicht wenige Leute auf Facebook Bilder und Statusmeldungen gepostet, die stolz verkündeten, dass sie heute ordentlich Grillen. Am besten um 15 Uhr (zur Sterbestunde Jesu).
In der immerfort andauernden Diskussion um den stillen Feiertag Karfreitag fällt es mir grundsätzlich schwer, richtig Stellung zu beziehen. In einer Zeit, in der unsere Religionsfreiheit ein wichtiges Gut ist, kann ich schon sehr gut nachvollziehen, dass jemand, der sich weder mit Glaube noch mit der Kirche identifiziert, sich gewissen Regeln eines stillen Feiertags nicht fügen möchte. Wenn mir ein Feiertag nichts bedeutet, sollte man doch um sein Recht kämpfen, Tanzen und Feiern zu gehen, oder? Da es aber Gesetz ist, gibt es nur wenige Möglichkeiten, seinem Unmut Ausdruck zu verleihen – so aber z.B. indem man extra am Karfreitag grillt.

ABER: An dieser Stelle muss ich doch nachfragen: Wandelt sich eine solche Aktion, wie das Grillen am Karfreitag um 15 Uhr, nicht von einem „mir bedeutet dieser Feiertag nichts und ich mache was ich will“ zu einem „mir bedeutet dieser Feiertag nichts und um Euch das zu zeigen, trete ich nochmal extra drauf“?
Ich frage mich, ob es in einem solchen Fall wirklich notwendig ist, seinem eigenen Recht unbedingt Platz einzuräumen – selbst auf die Gefahr hin anderer Menschen Gefühle zu verletzen. Ich meine immer mehr ein Fehlen von einer Kultur der Achtsamkeit festzustellen. Gerade Religion ist privatisiert, was andere machen ist deren Ding, wichtig ist was ich denke, fühle und glaube. Aber ist es wirklich so schlimm, Rücksicht zu zeigen? Kann ich nicht zumindest darüber nachdenken, ob es für eine bestimmte Handlung nicht Alternativen gäbe? Wenn meinen Mitmenschen eine bestimmte Sache wichtig ist, kann ich dann nicht achtsam damit umgehen, um auch sie als Menschen zu achten?

Um nochmal auf den Karfreitag zurückzukommen:
Wer unbedingt Grillen möchte, soll das ja ruhig tun. Aber muss man das den Christen unter die Nase reiben?

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