PJ Harvey – Let England Shake

By Dave Mitchell (Plastic Jesus)
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D
via Wikimedia Commons

Die britische Musikerin Polly Jean Harvey ist innerhalb der Indie-Szene zwar eine bestimmte Größe, darf sich aber auch in der breiten Öffentlichkeit einiger verdienter Erfolge erfreuen. Ich persönlich wurde auf PJ Harvey durch die großartigen Desert Sessions Vol. 9 &10 aufmerksam, welche in die Geschichte kernigerem Desert- und Stoner-Rocks eingegangen sind. Nun widme ich mich ihrem aktuellsten der ohnehin zahlreichen Werke, denn immerhin geistert PJ Harvey schon seit Beginn der 90er durch die Musikszene. „Let England Shake“ nennt sich das 2011 in dem akustischen Paradies einer Kirche an der Küste Englands aufgenommene Album:

  1. Der Titelsong Let England Shake eröffnet die Scheibe und steigt mit verträumt-spielerischen Klängen ein, während PJs helle Stimme süßlich dazusingt, und sich dabei in beinahe schief wirkende Gefilde lehnt. Wenn sich dann zum leichten Klavier und dem sanften Drums tiefe Bläser hinzufügen, wird die Schwere des Songs, welche im Text so unwirklich harmlos dahingesungen wird, annähernd deutlich.
  2. The Last Living Rose wirkt beim ersten Hören wie ein durchschnittlicher Radiosong, doch der Text lehrt anderes: Eine irrwitzige Hassliebe, die PJ ihrem Heimatland gegenüberwirft, reihen sich in die träumerischen Klänge der dominierenden Gitarren ein.
  3. The Glorious Land geht hart mit Kriegstreibern ins Gericht: „And what is the glorious fruit of our land? It´s fruit is orphaned children“ trägt PJ Harvey mit männlicher Unterstützung vor, während Armee-Trompeten zum Kampf aufrufen. Musikalisch zieht dieser Song ziemlich an Tempo an und unterstützt die Klage. Perfekt.
  4. Weiter gehts mit The Words That Maketh Murder, welches sich inhaltlich weiter mit Krieg beschäftigt, das Tempo jedoch drosselt. „I have seen and done things I want to forget“ – die melancholische Stimmung kommt vor allem im Refrain auf.
  5. All And Everyone beginnt mit düsteren Gitarrenklängen und genauso düsteren Worten. PJ philosophiert über den Tod und verpackt es in einem traurig-schönen Lied – das kann sie gut.
  6. On Battleship Hill stimmt wieder sanft an, verwandelt sich bald in ein südländisch anmutendes Gitarrenstück, begleitet von PJs hohen und seltsamen Gesang, der wieder Rythmus aufnimmt und die „Cruel nature“ besingt.
  7. Wenn einer meint, diese Scheibe klinge komisch, meint er damit wohl den Titel England. Zumindest zu Beginn, denn PJ lässt ihre Stimme derart angestrengt klingen, dass es beinahe schmerzt zuzuhören. Die treibende Akustikgitarre verhilft ihr zu Stärke, und so drückt sie Freud und Leid, die sie mit ihren Heimatland verbindet, nahezu perfekt aus.
  8. In The Dark Places ist mein eindeutiger Lieblingssong des Albums. Nicht nur die traurigen Worte, welche die unzähligen Tode in sinnlosen Kriegen beweinen, sondern auch der unglaubliche Gesang PJs, der so kraftvoll und emotional klingt, und stimmig von Schlagzeug, Gitarre und Bläsern unterstützt wird. Ein fantastisches Lied.
  9. Bitter Branches steigt mit sattem Tempo ein. Schlagzeug und E-Gitarre schrammen um die Wette, während PJ und Konsorten kräftig in die Mikros singen.
  10. Der nachfolgende Song Hanging In The Wire verlangsamt deutlich. PJ und Mick Harvey singen sanft und wunderschön, während Drums und Klavier ein traumhaftes Duett bilden.
  11. Written On The Forehead steigt mit leichten Gitarren und sanften Gesang ein, während sich bald Samples aus Winston Holness´ „Blood & Fire“ hinzugesellen. „Let it burn!“
  12. Mit The Colour Of The Earth beschließt PJ ihr Album. Überraschend, zuerst einmal nur männlichen Gesang zu hören, der sich bald zu einem ganzen Chor formiert. Wieder mal ein Song der Sorte „Unbeschwerter Klang – düsterer Text“.

So, was sollen sie also, diese ganzen Lieder? Beim Durchblättern des Booklets hat man den Eindruck, eine ganze Ansammlung von politischen Protestliedern vor sich zu haben. PJ Harvey betont allerdings, sich nicht zu sehr darauf zu versteifen. Auch England sei hier als ihr Heimatland lediglich ein Stellvertreter unter Vielen, die mal ordentlich wachgerüttelt gehören. Rein musikalisch bewegt sich PJ zwischen minimalistischen Instrumentaleinsatz und grandioser Songkomposition, während nicht davor zurückgescheut wird, zahlreiche Samples aus bekannten Titeln einzubringen.

Wem die Kombination aus zutiefst düsteren, nachdenklichen Songtexten und leichtem Alternative/Folk zusagt, sei „Let England Shake“ wärmstens empfohlen. Interessierte sollten den offiziellen Youtube-Kanal besuchen. Lohnt sich!

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