WOODKID Live – 15.04. Muffathalle München

(c) facebook.com/woodkidmusic

Nach der letzten CD-Rezension des ausgezeichneten „The Golden Age“ von Woodkid durfte ich Herrn Lemoine nun gestern auch live erleben. Im Vorfeld beschäftigten mich zwei Dinge:

1. Kann ein Künstler, der überwiegend ruhige Songs spielt, das Publikum dauerhaft fesseln?

2. Schafft es Woodkid, den genialen Sound des Albums auf die Bühne zu holen?

Mit diesen Fragen im Gepäck machten wir uns also auf nach München, wo wir etwas spät zum Supportact Thomas Azier reinschneiten. Nach relativ kurzer Wartezeit und nahezu vergeblichen Bemühungen, einen idealen Blickwinkel zwischen den überraschend großen Menschen zu erhaschen, verfinsterte sich die brechend volle Halle, und die Musiker stimmten ein Intro epischen Ausmaßes an. Selbstverständlich habe ich nichts anderes erwartet, aber beeindruckend war es trotzdem. Nach diesem Feuerwerk schlendert Yoann Lemoine beiläufig auf die Bühne und gibt „Baltimores Fireflies“ zum besten. Während munter fantastische Welten über die Leinwand flimmern wird klar, dass sich seine warme Stimme nicht auf das Studio beschränkt, sondern auch auf der Bühne glänzt. Gleichsam brachial ist die Lichtshow inszeniert, die sofort in die kalte, kunstvolle Atmosphäre seiner Musikvideos eintauchen lässt.

Nach einem kurzen Intermezzo (Falling) führt uns Woodkid ein in sein goldenes Zeitalter, und mit „The Golden Age“ erschüttert er die Halle bald in Ehrfurcht vor solch gewaltiger Musik. Lied um Lied entführt uns Woodkid in seine traumhafte Welt voller schöner Melodien, trauriger Gesänge und treibender Rythmen. Besonders als sich an das legendäre „Iron“ ein rythmisches Anhängsel ankündigt, und nicht nur das Musikerensemble wie von Sinnen über die Bühne springt, sondern auch die Halle voller Ekstase mittanzt, bietet sich ein komplett gegensätzlicher Anblick zu der sonst andächtig lauschenden Menge.

Yoann Lemoine, der zwischen den Songs beinah schüchtern zur Menge spricht („I don´t know what to say..“) wirkt in seiner Bodenständigkeit richtig sympathisch. Auch wenn klar wird, dass er keine 15 Jahre Bühnenerfahrung hinter sich hat, scheint er sich dennoch nicht unwohl zu fühlen. Beinah sichtbar nimmt er die Stimmung der lauschenden Menge in sich auf, und zeigt sich außerordentlich dankbar für die ihm entgegenschallende Unterstützung. Genauso seine Musiker: Auch wenn sich die Herren dezent zurückhalten, gehen sie im Umgang mit ihren Instrumenten auf. Das gilt sowohl für das Bläser-Trio, als auch für die meist synchron spielenden Drummer – echt beeindruckend!

Kommen wir zu meinen anfänglichen Fragen: Die Setlist war m.E. gut aufgebaut. Ein Musiker, der viel ruhige Songs spielt, muss seine Lieder live weise verteilen, und das hat Woodkid. Auch wenn sich die treibenden Beats im Rahmen hielten und keine durchgehende Tanzstimmung aufkam, waren sie unter den vielen langsameren Stücken doch gut platziert. Was den Sound angeht, war ich höchst zufrieden: Klar, ein Streicherensemble ist auf der Bühne extrem schwer umzusetzen, sodass mich der Synthiesound wenig störte – die grandiosen Bläser wogen das gut aus. Auch die Anpassung der Lieder an die Bühne wirkte ansprechend auf mich: Nichts wirkte wie von der Platte, sondern zeugte von eigener Dynamik.

Was bleibt also zu sagen? Mit einer EP und einem Album hat Woodkid wahrlich noch nicht viel zu bieten, weshalb die Show leider nicht sehr lange dauerte. Umso unverständlicher, dass „Wasteland“ fehlte – hatte ich mich doch sehr auf dieses Lied gefreut. Aufgrund der grandiosen Darbietung der anderen Songs fällt es mir aber dennoch nicht schwer, mit einem breiten Grinsen an den gestrigen Abend zurückzudenken. Ich habe viel erwartet und viel bekommen.

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