Graveyard – Lights out

Ja, endlich ist es da – das lang erwartete dritte Werk der schwedischen Rocker Graveyard. Die Retro-Spezialisten hatten im Anschluss an ihrer Scheibe „Hisingen Blues“, die ich auch hier im Blog schon vorstellte, eine große Aufgabe vor sich. Kann „Lights out“ das schultern?

Werfen wir zuerst einen Blick auf das Artwork der CD:

Der Name ist Programm. Tiefe Finsternis, eingerahmt und schlicht beschriftet. Das Booklet ist zwar diesmal erstmals mit Songtexten ausgestattet, gestaltet sich aber ähnlich düster wie das Cover. „Lights out“ ist in seiner Aufmachung also wesentlich sparsamer als die Vorgänger, denn wo „Graveyard“ noch mit Cardsleeve und „Hisingen Blues“ als aufwändig gestaltetes Digipack auftrumpften, liegt „Lights out“ lediglich als Jewelcase vor. Aber seis drum, entscheidend ist doch hier der Inhalt. In gewohnter Manier hauen uns Graveyard wieder ordentlichen Stoff auf die Ohren.

1. An Industry of an Murder beginnt derart ungewohnt, dass man gleich nochmal überprüft, ob schon die richtige Scheibe im Player ist. Unheilvolle Sirenenklänge leiten das erste, tragisch wirkende Riff ein. Die Jungs geben langsam Gas, und die düsteren Lyrics tun ihr übriges, um ordentlich zeitgemäße Gesellschaftskritik anzubringen.

2. Slow Motion Countdown lässt schon vom Titel her vermuten, dass sich hier die erste Ballade verbirgt. Eine langsame Bluesnummer, mit ruhigem, angenehmen Gesang. Ein toller Refrain, melancholische Texte und ein Outro mit subtilen Streichersounds runden perfekt ab.

3. Mit Seven Seven zieht Graveyard ordentlich im Tempo an. Die wirklich kurze Rocknummer hat alles, was man von der Band gewohnt ist: Klassische Riffs, treibendes Schlagzeug, kreativer Bass und guter Gesang.

4. The Suits, the Law and the Uniform hat offensichtlich sehr politischen Anklang. Der Kampf gegen Unterdrückung ist heute noch so aktuell wie eh und je, und der tolle Sound tut sein übriges, mit einem klasse Mittelteil und einem Saxophon-versetztem Outro einen genialen Song zu schaffen.

5. Zum Song Endless Night wurde einen Tag vor Albumrelease ein cooles Videorausgegeben. Ein fetziger Song mit Ohrwurm-Charakter!

6. Hard Time Lovin´ ist wieder eine ruhige Nummer. Inhaltlich herrschen hier natürlich Beziehungsprobleme vor, und die melancholische Gesangsart unterstützt das Feeling sehr gut.

7. Goliath kam schon relativ früh als Single (& Musikvideo) raus. Der m.E. stärkste Song des Albums hat nicht nur fetten Sound und einen Refrain, der mich in fremde Spähren beamt, sondern auch eine ernstzunehmende Aussage.

8. Fool in the End ist wieder eine gute Rocknummer, mit coolen Riffs. Ein eher gemäßigter Song, der sich nach und nach immer weiter aufbaut, bis er einen grandiosen Höhepunkt erreicht und zum Ende hin das Tempo nochmal runterbricht.

9. 20/20 (Tunnel Version) ist ein smoothes CD-Outro. Sanfter Gesang und schön klingende Akkorde harmonieren mit leisem Schlagzeugspiel und dezentem Rhodespiano. Zum Ende hin fahren die Jungs nochmal alle Geschütze auf, und beenden ihr Werk mit einem Knall!

Jo, und dann ist nach knapp 35 Minuten Laufzeit schon wieder Schicht im Schacht. Ich finde das wirklich Schade, denn der ein oder andere Song hätte sicher noch Platz auf der Scheibe gefunden.
Ich habe das Album nun einige Male durchgehört, wobei meine Sympathie mit jedem Mal mehr und mehr wuchs. Zugegeben, solchen „Hitcharakter“ wie die meisten Songs auf „Hisingen Blues“ haben die Stücke nicht, wobei schon der eine oder andere Knaller zu finden ist. Auffallend ist, dass hier das Tempo insgesamt gedrosselt wurde, und die Jungs bewusst mehrere langsame Nummern reingenommen haben. Auch die Gesangsweisen von Joakim Nillson waren dieses Mal wesentlich weniger eingängig als früher – hier wird offensichtlich experimentiert! Auch der Einsatz von Piano, Hammondorgel, Saxophon und Fiddle ist nicht zu übertrieben, erweitert aber das Spektrum der Band – und das ist in fast jedem Fall ein Gewinn. Bleibt letztlich nur zu hoffen, dass bei diesen Jungs so schnell nicht die Lichter ausgehen!

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