Rezension #5: Opeth – Heritage

Lang gewartet haben die Fans auf dieses Album, gefiebert, gehofft und gezweifelt haben die Fans, denn die Ankündigungen zum neuen Werk „Heritage“ brachten wilde Spekulationen ans Tageslicht. Mikael Akerfeldt, einzig beständiges Mitglied der Band, Songwriter, Sänger, Gitarrist und – ohne jeden Zweifel – Kopf der Band gab früh bekannt, dass er auf diesem Album komplett auf seine beliebten Growls verzichten wird. Schnell wurde auch bekannt, dass sich der Sound dieser Scheibe stark an den 70ern orientiert. Eine gewisse Vorliebe für Rockbands dieser Jahre konnte Akerfeldt nie verhehlen, bzw. ließen sich gewisse Akzente spätestens seit „Ghost Reveries“ ausmachen. Schließlich kam die Meldung hinzu, Keysboarder Per Wiberg sei nach Abschluss der Aufnahmen aus der Band ausgetreten – wie sollte man das im Bezug auf das Album deuten? Außerdem soll sich die gewohnte Laufzeit der einzelnen Songs von über 10 Minuten auf sechs bis acht Minuten verkürzt haben. Ob das für Opeth-Songs ausreicht? Fragen über Fragen, welche mit dem Erscheinen der Scheibe nun endlich beantwortet sein sollten. Absolut klar ist: „Heritage“ ist anders, als die bisherigen neun Alben. Wo man von „Orchid“ bis „Watershed“ („Damnation“ ausgenommen) eine stetige Mischung aus Deathmetal und Balladen ausmachen konnte, bleiben nun die Growls und harte Gitarrenriffs aus. Technisch versierte Melodien auf höchster Ebene sind geblieben – aber bevor ich zu viel vorweg nehme, schauen wir uns erstmal das Artwork an.

 Die Special-Edition beinhaltet das normale Album, sowie einen 5.1- Mix des Albums.  Auf der DVD befinden sich noch 2 Bonus Tracks (welche per Code downloadbar sind) und eine Doku zur Entstehung von „Heritage“. Vorne auf dem Digipack ist das Coverartwork in 3D (bei drehen des Covers „fällt“ Per’s Kopf herunter). Im Innenteil ist das Booklet mit Bildern aus dem Studio und den Texten vorhanden. Bei meiner Version liegt übrigens noch ein kleines „Making of Heritage“-Heftlein bei, mit weiteren Bildern des Aufnahmeprozesses.

Nun zu den Songs:

 1. Der Opener „Heritage“ ist ein gemächliches Klavierstück, welches zu seiner Mitte Verstärkung durch einen wunderschönen Bassklang erhält. Bei der Aufnahme hat Martin Mendez einen Stehbass verwendet, was dem Sound mehr als eine gute Note verpasst hat.

2. „The Devil’s Orchard“ wurde als Single schon vor dem Start des Albums bekannt. Ich habe mir beim ersten Hören Gedanken gemacht, ob ich daraus nun Rückschlüsse auf das gesamte Album ziehen kann. Inzwischen kann ich das untermauern: Hier ist der „typische“ Sound der Scheibe enthalten. Geniale wie präzise Gitarrenparts, gebettet in coolen Orgelsound, knackiges Schlagzeug – dieser Song klingt eindeutig nach Opeth UND nach 70er. Inzwischen gibts zu diesem Song auch ein außerordentlich gutes Video!

3. „I feel the dark“ beginnt wunderschön akustisch, lässt sofort an das ruhige Album „Damnation“ denken. Die Akustikgitarre rifft weiter, während Bass, Schlagzeug und E-Gitarre hinzustoßen. Bedrohliche Stimmung baut auf, und lässt wiederum an die schaurige Atmosphäre des letzten Albums „Watershed“ denken. In der Mitte des Songs fährt die Band richtig auf, Martin Axenrot legt ein cooles Schlagzeugsolo hin, und wie von Opeth gewohnt wechseln sich ruhige Parts mit harten und schnelleren Riffs ab.

4. „Slither“ steigt mit schnellen Solo ein, lässt Keyboard und Schlagzeug einsetzen und hält durchweg ein flottes Tempo. Die ersten Minuten des Songs könnte man dieses Stück für einen gewöhnlichen Rocksong halten, wenn nicht irgendwann doch die opethmäßige Unterbrechung und ein Übergang in ein akustisches Outro käme.

5. Als nächstes folgt „Nephente“, welches von Opeth im Vorfeld bei einer TV-Show gespielt wurde. Ruhig steigt das Lied ein, wirkt wie chillige Hintergrundmusik, bis Akerfeldt mit etwas ungewöhnlichem Gesang einsteigt. Ein wirklich smoother Song, der eine plötzliche Steigung durch extrem coolen Keyboardsound und einem Solo erhält. Dieses Lied wechselt wiederum die leisen und lauten Töne ab, wie wir es von Opeth gewohnt sind. Sowohl ein ruhiger, als auch beunruhigender Song.

6. „Häxprocess“ führt den Sound des Albums weiter.  Obwohl der Titel des Songs, wie ich finde, schnell und ein bisschen brutal klingt, fängt das Lied sehr ruhig an. Nach wenigen Minuten bauen schnelle Akustik-Riffs das Tempo auf, bringen wieder die bedrückende „Watershed-„Stimmung auf. Teilweise kommen leichte Gesangsparts mit hohen Keyboardsounds auf, welche mich etwas an einzelne Parts aus „Master’s Apprentices“ vom Album „Deliverance“ erinnern. Der Song bleibt durchweg ruhig, schließt mit sanften und schönen Duett aus Gitarre und Bass.

7. „Famine“ steigt ein mit leisen Flötenklängen und atmosphärischen Geräuschen. Leise hört man schnelle Djembé-Sounds, bis alles in leichtes Klavier übergeht. Akerfeldt stimmt mit ein, bis die schöne Ballade plötzlich von schnellen Gitarren unterbrochen wird. Die Riffs werden immer konfuser, wie wir es teils aus „Watershed“ kennen. Die ungewöhnliche Instrumentenauswahl bleibt bestehen, und Trommeln sowie Flöten begleiten die Stammbesetzung.

8. „The Lines in my Hand“ ist möglicherweise der coolste Song dieses Albums. Basslastiger Sound, hohe Akustikgitarre, coole Keyboardsounds, feiner Gesang: Dieses Lied schwebt wieder zwischen chill und thrill. Zum Ende hin gewinnt der Song sehr an Tempo, was den Musikern hörbar (und dem Hörer) Spaß macht!

9. Das Stück „Folklore“ hat mit Folk wenig zu tun, klingt für mich anfangs eher wie ein „typischer“ Opeth-Song, welcher getrost auch auf einer anderen Scheibe (z.B. „Ghost Reveries“) zugegen sein könnte. Bald setzen wieder die knackigen Gitarrenriffs ein, und der Song mündet in eine ungewöhnliche Mischung aus verzerrtem Gesang und leichten Chorälen, unterlegt mit temporeichem Schlagzeug.

10. „Marrow of the Earth“ ist das offizielle Ende des Albums. Wo anfangs ein ruhiges Klavier begann, endet dieses Werk nun mit einer wunderschönen Kombination aus Akustik- und E-Gitarre.  Das Duett wird letztlich verstärkt durch den Rest der Band, und gibt nochmals einen Sound, der sich eindeutig an den 70ern orientiert.

11. Der Song „Pyre“ [Bonus Track] wurde, wie „Nephente“, im Vorfeld bei einer TV-Sendung gespielt.  Klassischer Sound, eine wirklich geniale Bridge, coole Soli: Dieser Song bleibt gleichmäßig im Tempo und angenehm im Klang.

12. Zum Schluss noch „Face in the Snow“ [Bonus Track].  Dieser Song könnte nun wirklich, wirklich wirklich auch auf einem anderen Album sein. „Face in the Snow“ klingt, als ob es geradewegs „Damnation“ entsprungen wäre, was den Song keineswegs schlechter macht: Ein schöner, meisterlich komponierter Abschluss eines mehr als zu empfehlenden Albums.

So, welches Fazit soll ich nun ziehen? Toll komponiert, in sich stimmig, die 5.1-Abmischung ist klasse. Eigentlich alles in Ordnung. Als Opeth-Fan war dieses Album dennoch eine Herausforderung für mich, wie es jedesmal vorkommt, wenn eine Band neue Wege beschreitet. Schlimme Befürchtungen sehe ich allerdings nicht bestätigt, denn das Album klingt immer noch 100% nach Opeth. Seltsam, nicht wahr? Dies liegt vermutlich daran, dass dieses Album in sich einfach ausgeglichen ist. Nichts fehlt – selbst die Growls und der Deathmetal nicht. Für mich ist dieses Album ein Erfolg, der sich durchaus weiterführen ließe. Doch das bleibt abzuwarten, denn Mikael Akerfeldt hat bereits angekündigt, dass es sich noch lange nicht ausgegrowlt hat. Fredrik Akesson meinte zudem in einem Interview, er habe noch keine Ahnung wie das nächste Album aussehen werde, vielleicht werde es ein Grindcore-Album. Es ist einfach schön zu sehen, dass sich diese Band nach über 20 Jahren des Wirkens keine Sorgen um bestimmten Stil oder Kommerz macht. Diese Band scheut (weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft) nicht vor Veränderungen zurück, denn – das beweisen vor allem die Alben „Damnation“ und jetzt „Heritage“ – Opeth hatte mit Experimenten schon immer Erfolg!

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EDIT:

Gerade hab ich HIER und HIER eine persönliche Analyse der Songs durch Mikael Akerfeldt persönlich gefunden. Schön zu sehen, dass ich mit meinen Vermutungen/Wertungen nicht so falsch lag 🙂

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3 Gedanken zu “Rezension #5: Opeth – Heritage

  1. Woah, du bist ja klasse!
    Ich hab mir heute morgen das Album bestellt. Bin gespannt, wann es kommt, weil bei den anderen CDs eine dabei ist, das erst am 11.Nov veröffentlicht wird…. :/
    Bin auf jeden Fall jetzt noch gespannter!

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