München

Tjaaa, wir waren gestern in München. Obwohl ich so große Städte an sich nicht mag (bin halt ein Landkind), bin ich dennoch immer wieder beeindruckt von der Größe und Vielfalt dieser Stadt. Erstmal gings im stylischen Unibus von Eichstätt aus los. Bei dieser Affenhitze der eher unangenehme Teil der Exkursion.


Die erste Station bildete die Moschee in Münschen-Pasing. Da ich hierzu kein Bild habe, beschreibe ich das Haus einfach mal: Im Erdgeschoss befindet sich eine orientalisch anmutende Eingangstür, daneben ein Handyladen. In einem Vorraum befindet sich ein Waschraum, welcher normalerweise im Vorhof der Moschee steht. Das gestaltet sich als großer Sockel mit Wasserhähnen und Sitzplätzen rundherum. Dort wird also eine rituelle Waschung durchgeführt, bei welcher Gesicht, Nacken, Arme und Füße gewaschen werden. Ebenfalls im Erdgeschoss ist noch eine Art Küche mit Aufenthaltsraum, wo wir am Ende der Führung Çay schlürften. Im ersten Obergeschoss ist ein kleinerer Gebetsraum (welchen die Frauen für sich nutzen können), im oberen Geschoss befindet sich der große Gebetsraum, mit Kuppel und reich verziert. Die Kuppel fällt von außen übrigens nicht auf den ersten Blick auf, weil sie ja sozusagen oben auf dem Dach ist. Neben der Kuppel befinden sich noch zwei Minarett-Türmchen. Beim Bau der Moschee wurde nur die Kuppel zugelassen, Minarette nicht. Die beiden Türmchen sind deshalb eigentlich nur Kamine, welche mit einem Spitzhütchen ausgestattet wurden. Clever.

Ich muss sagen – ich war ganz ehrlich überrascht über die vielen Infos, die wir dort erhielten. Wir wurden offen und herzlich aufgenommen, durften dem Mittagsgebet beiwohnen und wurden authentisch und beherzt aufgeklärt, bzw. bekamen alle Fragen gut beantwortet. Obwohl sich diese Gemeinde selbst als traditionell empfindet, wirkt sie auf mich äußerst liberal und offen. Das liegt wohl daran, dass, wie uns erkärt wurde, viele Ge- und Verbote eng mit aribischer Kultur verknüpft und sozusagen erst später mit dem Islam in Verbindung gebracht wurden. Diese Gemeinde versucht, davon abzusehen und sich mehr auf die Wurzeln zu besinnen. Für mich erzeugt das ein wunderbare Atmosphäre!

Nach leider viel zu wenig Zeit mussten wir unter enormen Zeitdruck zu einer mehr als chaotischen Fahrt in die Innenstadt aufbrechen. Unser Fahrer Leo konnte den Bus jedoch mit solchem Geschick durch die irren Straßenverhältnisse steuern, welches ich unter keinen Umständen aufbringen könnte. Ich hätte den Bus zu Schrott gefahren.

Heil am Jakobsplatz angekommen, fanden wir uns zu einer Führung in die Synagoge ein.

Schon von außen ein beeindruckender Bau: Die Unterseite der Synagoge erinnert in ihrer Machart bewusst an die Klagemauer, der Glaswürfel ist umgeben von einem Gitternetz vieler Dreiecke, welche mit gewisser Vorstellungskraft natürlich viele Davidsterne ergeben. Wir haben die Synagoge nicht durch das Hauptportal betreten, sondern gingen zuerst in das Gemeindezentrum rechts im Bild und von dort aus durch einen unterirdischen Gang zur Synagoge. Dieser Gang nennt sich „Gang der Erinnerung“. Ein Künstler hat dort auf Glasscheiben die Namen von ca. 4500 Münchner Juden dargestellt, welche während des Naziregimes ermordet wurden.

In der Synagoge angekommen mussten wir natürlich unsere Kopfbedeckungen bzw. dort ausgeliehene Kippas aufsetzen, denn in jüdischen Gotteshäusern ist es für Männer Brauch, den Kopf zu bedecken. Da es sich im jüdischen Zentrum München um eine orthodoxe Gemeinde handelt, gibt es diverse Besonderheiten, welche in der Synagoge allgemein und in Gottesdiensten gelten und bei unserer Führung besonders hervorzuheben waren.

Sow, was lässt sich nach diesem ausführlichen Bericht sagen? Jedem – wirklich jedem, egal welcher Konfession oder Relgion er angehört, egal ob er religiös ist oder nicht – ist herzlich zu empfehlen die Gotteshäuser und Gemeinden dieser Religionen zu besuchen, welche vor unserer Haustür liegen, und uns doch so fremd sind!

Zum Schluss noch meinen Dank an die Christin für die Bilder 😉

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5 Gedanken zu “München

  1. Du hast vergessen, daß man auch die Nase von innen reinigt, aber sonst gut und knapp zusammengefasst – könnte das nicht der Bericht für den Uto sein?!

    1. Danke 😉

      Nunja, wir sollten ja allgemein einfach unsere Stimmung dazu geben. Wenn man ein paar Sachen aus diesem Artikel rausgeht, könnte mans durchaus als kleine Evaluation nehmen. Ich versuchs mal dementsprechend zusammenzufassen 🙂

    2. hallo herr kandler! so, wenn du dir nochmal vorstellst du ständest da, von wo aus die synagoge am jakobsplatz fotografiert wurde und dich von dieser stelle aus umdrehst und 20m gehst, dann weißt du wo ich arbeite und ungefähr auch lebe 😉 falls du die vielfalt münchens mal etwas mehr entdecken möchtest, packst halt mal dein bruder ein und ich zeig dir die ecken die man als nichtmünchner nicht zu gesicht bekommt! btw, schöner beitrag!

  2. Flo ich find deinen Artikel richtig richtig gut – klasse, interessant und witzig geschrieben…vor allem musste ich grad an unsere Fahrt mit Leo denken *lach* und die Vorstellung, dass du den Bus zu Schrott fährst *puh* lieber nicht dran denken! Aber die Rückfahrt war ebenso lustig mit dem Leo und wir fanden dann doch noch zurück nach Ei!! *lach*

    Aber du hast Recht – man sollte ich das echt nicht entgehen lassen, wenn es doch so nah vor der eigenen Haustür ist. 😉

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